Hausgeister zu
Nürnberg
Zu Nürnberg hat
es von je allerlei Merkwürdiges gegeben, auch Hausgeister und Alraune fehlten
nicht, und da neben dem Hausgeist der Handelsgeist in dieser ehrwürdigen
Reichsstadt besonders mächtig war, ist es vorgekommen, dass heimlich Handel
getrieben ward mit leibhaften Alraunen und Spiritus familiares. Ein altes
Handelshaus hatte sie unter dem Namen Heckewurm und hielt sie hoch im Preise,
eine bis zwei Pistolen das Stück, und es gab in der Tat gläubige Narren, die
davon kauften.
Eine
Goldschmiedsfrau hatte einen Spiritus familiaris. Einst sprach er zu ihr: Frau,
ein Sandkörnchen hat Euer Leben behütet! - Dieser Geist warnte sie vor
Gefahren, betete mit ihr und sang mit ihr schöne Lieder und Psalmen und war ihr
gut und nütze. Da überkam sie der leidige Frauentrieb, die schlimme Neugier,
sie wollte den Geist durchaus sehen, wie jene Köchin den Hinzelmann. Vergebens
warnte sie der Geist und sagte ihr, sie werde es bereuen. Sie drang immer
heftiger in ihn - und da sie nun in ihre Kammer trat, so sah sie an der Mauer
einen Schatten gleiten, anzusehen wie ein todbleiches Kind in weißem
Totenhemdchen, eine Sanduhr in der Hand haltend, deren Sand fast verronnen war,
und auf sotanes oberes Glas deutend und schnell verschwindend. Die Frau entsetzte
sich, fiel alsbald in schwere Krankheit. Ihr Lebenssand verrann, und ihr Geist
entfloh.
So war auch einer
zu Nürnberg, der konnte die Geister beschwören, aber so, dass auch wirklich
welche kamen. Er machte aber dazu sondere Zeremonien, deckte ein Tischlein,
setzte Milchschüsselchen darauf, neue Messerchen und Tellerchen und
Jungfernhonig, riss einer schwarzen Henne den Kopf ab, ließ Blut auf die Speise
träufeln und nahm noch allerlei sonstiges seltsames Gebaren vor. Dies tat er im
Freien auf einem heimlichen Plan, und dann barg er sich hinter einen Baum, und
da kamen zwei Erdmännlein, setzten sich an den Tische, speisten und
beantworteten die Fragen, die Paul Cruz, so hieß der Mann, an sie tat. Selbst
den König dieser Geisterlein brachte er ans Licht. Der kam ganz allein, trug
ein rotes Scharlachmäntelein, warf ein Buch auf den Tisch und ließ den
Geisterbanner darinnen lesen. Der schöpfte daraus große Weisheit und seltsame
Geschehnisse. Ob er aber auch das Geheimnis, selig zu sterben, darinnen funden,
ist Gott allein bekannt.
Ludwig Bechstein

Fastradas
Liebeszauber
Mit einer
unsterblichen Liebe liebte Kaiser Karl sein Ehegemahl Fastrada, bis sie
erkrankte und starb. Dies geschah zu Frankfurt am Main, von wannen ihr Leichnam
erhoben ward und gen Mainz geführt, ihn allda zu bestatten. Aber der Kaiser
wich nicht von der Verstorbenen und duldete nicht, dass man sie von ihm
entferne, denn es fesselte ihn ein Zauber, wie vorher an die Lebende, so jetzt
an die Tote.
Das ward des
Kaisers Umgebung auf die Länge ganz unerträglich, fort und fort den Stank der
Verwesung zu atmen, und endlich ahnete der weise Turpin, des Kaisers Ohm und
Bischof von Mainz, dass ein Zauber hier walte, suchte und fand im Munde der
Toten oder nach andern, in ihr Haar geflochten, den Ring mit dem Edelstein, den
damals zu Zürich die Schlange in des Königs Becher gesenkt, und nahm den Ring
an sich.
Alsbald wich der
Zaubrer von Fastradens Leichnam, die dem Kaiser bislang noch immer schön und
frisch und blühend, wie eine Schlafende, erschienen war, deshalb er sie auch
nicht zu bestatten erlaubte - und er erbebte jetzt vor ihrem Anblick und wollte
sie nicht mehr sehen. Also ward Fastrada bestattet, aber nun wandte sich Karls
ganze Liebe dem Erzbischof zu, der nun schon wusste, woher diese Neigung
stamme. Und als Erzbeischof Turpin im Gefolge des Kaisern gen Aachen zog, da
sah er unterm Frankenberge einen schönen See, der war still und tief und
heimlich. Dahinein warf Turpin den Schlangenring. Alsobald entwich die
Zauberliebe aus Karols Herzen und wandte sich nun zu diesem See, wollte nimmer
von ihm scheiden. Ließ ein Schloss zur Wohnstätte auf dem Berg über dem See
bauen, da weilte er nun immerdar und hatte seine Augen stündlich auf den See
gerichtet und verordnete, dass man ihn bei seinem Absterben alda in seinem
Münster zu Aachen begraben solle. befahl auch, dass alle seine Nachfolger zu
Aachen vor ihrer Krönung sich sollten salben und weihen lassen, welches auch
also geschehen ist in langer Reihe deutscher Kaiser bis nahe heran an die neue Zeit, da
man nicht mehr deutsche Kaiser zu salben und zu krönen hatte und das Reich ein
Ende genommen.
Ludwig Bechstein


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